Orgelbauer

Bruder (mehrere Firmen)

Gründer des Waldkircher Orgelbaus war Ignaz Bruder, der sich wahrscheinlich in Mirecourt in den Vogesen mit Orgelbau bekannt gemacht hat.

Für mehrere deutsche Orgelbauer war er Lehrmeister, unter anderen für den später berühmt gewordenen Andreas Ruth.

Vier seiner Söhne gründeten die Firma "Gebrüder Bruder": Andreas (1807 – 1859) Ignaz II, Xaver und Wilhelm. Zwei Söhne dieses Wilhelms, Wilhelm II (1841 – 1893) und Arnold (1842 – 1918) gründeten die Orgelfabrik " Wilhem Brüder Söhne ", die später von ihren Kindern und Enkeln weitergeführt wurde.

Zwei Söhne von Ignaz II stellten Orgeln her unter dem Firmennamen " Ignaz Bruder Söhne ".

Andreas Bruders Enkel Richard (1862 – 1912) machte sich selbständig nachdem er Mitinhaber der Gebrüder Bruder gewesen war.

Die französische Orgelbaufirma Gavioli gründete 1898 ein Zweigwerk in Waldkirch. Im selben Jahr wurde Richard Bruder hier als Chef eingestellt.

Das Gavioli-Zweigwerk wurde später von der französischen Firma Limonaire übernommen.

Nach Richard Bruders Tod im Jahre 1912 übernahm dessen Sohn Alfred Bruder (1888 – 1937) die Leitung der Limonaire Frères Waldkirch.

Alfred wurde 1913 eingezogen und Limonaire machte die Fabrik zu. Nach 1918 gründete Alfred Bruder seine eigene Orgelbauwerkstatt. Er baute vor allem nach dem Ruth - Modell 33er mit 52 Tonstufen.

Frei, Karl

Während der Blütezeit der Drehorgel in der Periode zwischen den Weltkriegen prägte Carl Frei (1884 – 1967) die Drehorgel in den Niederlanden.

Bereits im Alter von neun Jahren bekam er an der städtischen Musikschule in Waldkirch Unterricht in Harmonielehre und Kontrapunkt.

Seine Lehrzeit absolvierte er bei Wilhelm Bruder Söhne und bei Ludovico Gavioli in Paris. Dann wechselte er zum Zweigwerk der Firma Gavioli. Auch hat er für die belgischen Orgelbauer Mortier und De Vreese gearbeitet, wonach er sich nach dem Ersten Weltkrieg in Breda niederliess, wo er seinen eigenen Betrieb gründete.

Nach 1945 musste er mit seinem fachkundigen Sohn Carl junior nach Waldkirch umsiedeln.

Hier wurde die Firma weitergeführt. Eine grosse Vielfalt an Orgeln wurde hier restauriert bzw. auf Kundenwunsch umgebaut. Auch wurden neue Orgeln hergestellt.

Carl Frei junior führte die Firma weiter nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1967. Die Firma existierte bis Frei’s Ableben 1997.

Neben seinen grossen Verdiensten als hervorragender Arrangeur und Komponist wurde Frei vor allem berühmt durch die Einführung eines neuen Klangkarakters in die niederländischen Strassendrehorgeln.

Dies war die hell tönende Céleste auf Melodie. In Instrumenten anderer Hersteller wurde meistens einen weicher tönenden Bordun auf Gegenmelodie verwendet. Dieser gleichmäßig schwebend gestimmte Bordun wurde in der Drehorgelwelt derart beliebt, dass auch andere Orgelbauer dieses Register verwendeten.

Frei verstärkte das Register Violine mit einem register Violine Céleste, gleichfalls schwebend gestimmt.

Auch führte er das Register Undamaris auf Gegenmelodie ein, während in die 72-er und 90-er Orgeln noch Register wie Bifoon I auf Melodie und Bifoon II auf Gegenmelodie eingebaut wurden.

Gasparini-Foucher

Die in Paris ansässige Firma Foucher – Gasparini wurde 1865 gegründet. Gasparini war ein gebürtiger Italiener. Vor allem in der Periode 1903 bis 1910 wurde Orgeln von Gasparini in die Niederlande importiert.

Eines der merkmale dieser Orgeln war die runde Form der Orgelfassade mit viel geschnitzter Ornamentik.

Nach 1910 wurde Limonaire aus Paris Marktführer in den Niederlanden.

Gavioli

Die Firma Gavioli war eine der ältesten Orgelfabriken in Frankreich und ist immer maßgebend in dieser Sparte gewesen.

Bereits Giacomo Gavioli (1786 – 1875), ansässig im italienischen Modena, beschäftigte sich mit der Entwicklung vieler automatisch spielender Musikinstrumente, unter denen der " Panharmonico ", der Vorläufer des tragbaren Leierkastens.

Giacomos Sohn Ludovico Gavioli (1807 – 1874) hat in Zusammenarbeit mit seinem Vater an der Weiterentwicklung der Drehorgel gearbeitet. Im Jahr 1845 war bereits die Orgelwerkstatt zur Handelsmetropole Paris umgesiedelt.

Die drei Enkel Anselme, Henri und Claude blieben der Branche treu, wobei jeder sein Anteil leistete.

Besonders wichtig war 1892 Anselme Gavioli’s Erfindung der pneumatischen Steuerung, wodurch die Stiftwalze durch Faltkarton ersetzt werden konnte. Diese Erfindung war von ausserordentlich grosser Bedeutung, da jetzt die Länge eines Musikstücks nicht mehr durch den Umfang der Walze bedingt war.

Der Urenkel und Sohn von Anselme, Ludovico II hat das Ende der Firma zwischen 1912 und 1914 miterlebt. Die Firma Gavioli hattte Zweigwerke in Barcelona, Manchester, New York und Waldkirch.

Hooghuys

Louis Hooghuys in Geraardsbergen (Grammont) in Belgien fing 1880 an Orgeln herzustellen. Spezialität des Hauses waren Kirmesorgeln. Die Firma wurde später vom Sohn Charles weitergeführt. Charles’ Sohn R. Charles war danach der Firmeninhaber. Bis vor einigen Jahren existierte die Firma immer noch.

Hooghuys bildet eine Ausnahme unter den belgischen Orgelbaufirmen, insofern dass ausser Tanzorgeln auch Instrumente mit grösserer Lautstärke für die Volksfeste und Kirmessen hergestellt wurden.

Genutzt wurden Kenntnisse aus dem deutschen Drehorgelbau und Kirchenorgeln. Klangmäßig wurde die französiche Orgel als Vorbild genommen. Hiermit entstand eine ganz spezifische Orgel, bei der alle Möglichkeiten ausgenutzt wurden um das Instrument mächtiger,bzw. größer ankommen zu lassen.

Limonaire

Die Familie Limonaire stammt ursprünglich aus dem Baskenland. Antoine Limonaire fing im 19. Jahrhundert in Paris an mit der Herstellung und Reparatur von Klavieren.

Seine Söhne, die Gebrüder Camille und Eugène wurden bekannt als die Limonaire Frères.

Die Firma baute Jahrmarktsgeschäfte, wie ein Karussell mit Fahrrädern, bei dem die Fahrgäste das Karussell selbst in Bewegung setzten wenn man auf die Pedale trat.

Nach der Einstellung des Orgelbauers Anciaume wurden ab etwa 1900 damit angefangen Orgeln für Tanzlokale und Kirmessen herzustellen.

Die meist verkaufte Orgel war die vom Typ mit 35 Tonstufen. In den Niederlanden sind die Modelle mit 48 und 56 Tonstufen am bekanntesten. Vor 1914 wurden hunderte dieser Orgelmodelle in die Niederlande eingeführt. Bei den Zuhörern bekannt und beliebt waren diese klangschöne Orgeln vor allem wegen dem Register Voix Humaine (menschliche Stimme)

Diese Register machte diese Orgeln geeigneter für das Spielen in Strassen usw. als die Gasparini-und Gavioli-Orgeln die für den Gebrauch auf Kirmessen besser ausgestattet waren.

Trotzdem haben viele dieser Limonaire-Orgeln in und an Fahrgeschäften gespielt.

Etwa 1912 übernahm Limonaire die Firma Gavioli, die in einer schweren Finanzkrise steckte. Auch das Waldkircher Zweigwerk wurde übernommen bis zum Verkauf im Jahre 1918. Die Herstellung von Orgeln in Paris wurde vermutlich etwa 1930 eingestellt.

So gut wie alle Limonaire-Orgeln wurden in den 20-er und 30-er Jahren auf Kundenwunsch umgebaut.

Vor allem Carl Frei in Breda hat viele dieser Umbauten erledigt, wobei die meisten Soloregister durch das Bordun Céleste – Register ersetzt wurden.

Noch immer ist die 48 und 56 Tonstufen-Skala die Norm für kleinere Strassenorgeln in den Niederlanden.

Marenghi

Charles Marenghi war bis 1903 Werkstattmeister bei Gavioli. Als diese Firma 1903 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde verließ er die Firma Gavioli, zahlte die Teilhaber aus und führte den alten Betrieb weiter im Werksgelände an der Place de la Nation zusammen mit dem Großteil von Gavioli’s alter Belegschaft.

Marenghi fertigte weiterhin Kirmesorgeln an im Stil der Firma Gavioli und nahm Verbesserungen vor.

Der Absatz für Marenghi war Großbrittanien, so dass man hier auch heute noch die meisten Marenghi-Orgeln vorfindet.

Nach 1920 führte Charles Gaudin die Firma noch einige Jahre weiter

Molzer Ferdinand

Ferdinand Molzer senior wurde am 10. Oktober 1855 geboren und starb am 5. September 1929.

Seit 1888 hat er sich sehr bemüht die bei der Bevölkerung verrufene Drehorgel zu verbessern.

Bei Nachforschung entdeckte KDV-Vorstandsmitglied Van Dinteren damals, dass Molzer eine Filiale übernommen hat von Josef Riemer aus Kratzau (Chrastava) in Tschechien.

Seinem fachmännischem Können verdankte er es eine Strassenorgel herzustellen die zum Lieblingsinstrument des Volkes wurde.

Ausser Strassenorgeln baute Molzer Konzertorgeln bis 96 Tonstufen und Kirchenorgeln.

Im Jahre 1911 baute Molzer junior ein Kinophon , vergleichbar mit Theater-oder Kino-Orgel, für einen amerikanischen Kunden.

(Durch die Bemühungen der " Nederlandse Orgelfederatie " – Postfach 189 – Amsterdam, stehen einige übriggebliebene Theaterorgeln in unserem Land unter Denkmalschutz.)

Dieses Kinophon war ausgestattet mit zwei Manualen und Pedalen und hatte vierzig Register.

Das Instrument konnte nur von wenigen Leuten gespielt werden.

Molzer baute sogar 1923 für eine Jubiläumsausstellung in Gotenburg eine Tanzorgel mit 112 Tonstufen.

Mortier fing erst etwa 1900 mit dem Orgelbau an, als die franzöischen und deutschen Orgelfabriken bereits ihre Blütezeit erlebten.

Mortier

Theofiel Mortier war ursprünglich Inhaber eines Tanzlokals in dem immer eine Gavioli-Orgel spielte. Wie das so bei ihm üblich war, verkaufte er kurzfristig die sich im Tanzlokal befindliche Orgel.

Er machte meistens gute Geschäfte und wurde allmählich Orgelkaufmann und somit guter Kunde bei Gavioli.

Damit Reparaturen an den gelieferten Orgeln ausgeführt werden konnten, öffnete er eine Werkstatt mit Guillaume Bax als Werkstattmeister.

Durch Probleme bei der Firma Gavioli wurden keine Aufträge von Mortier mehr entgegengenommen oder ausgeführ. Daraufhin baute Mortier dann selber Tanzorgeln. Nach dem Ersten Weltkrieg nahm die Belegschaft zu bis etwa 80 Personen, die jährlich circa 20 Tanzorgeln herstellten.

Die Produktion nach Kubikmeter Orgel betrachtet war Mortier von keinem zu überbieten.

Die Firma existierte bis 1948.

Richter

Johann Richter fing etwa 1840 in Gersfeld-Rhön in der Nähe von Fulda mit dem Bau und Reparatur von Kirchenorgeln an.

Allmählich stellte er sich um auf die Anfertigung von Leierkasten, bzw. kleinen tragbaren Walzenorgeln.

Auf die Dauer wurden diese Orgeln immer größer. Nach Johann Richters Tod führten seine drei Söhne die Firma weiter in Düsseldorf-Derendorf unter dem Namen " Gebrüder Richter ".

Die drei Gebrüder waren Felix (1870-1945), Eduard (1872 – 1944), und Emil (1884 – 1964).

Die hell tönenden und kernigen Richter-Orgeln wurden in über ein Dutzend Länder ausgeführt.

Walzenorgeln baute man mit 27 bis 80 Tonstufen während laut Firmen-Katalog die späteren Notenorgeln 56 bis 96 Tonstufen hatten.

Laut Emil Richter habe man auch Orgeln mit 108 Tonstufen hergestellt. Nur der jüngste der drei Gebrüder hatte Nachkommen: einen Sohn namens Felix, geboren 1922, der die Firma weiterführen sollte.

Leider entschied das Schicksal anders. Als Wehrpflichtiger wurde er mit seinem Flugzeug einen Monat vor Kriegsende abgeschossen. Eduard Richter starb 1944 in der Werkstatt bei einem alliierten Luftangriff.

Die Firma Richter hat tragische Schicksalsschläge erlitten und endete tragisch.

Ruth

Die Firma A. Ruth & Sohn hat von 1841 bis 1938 in Waldkirch im Breisgau im südlichen Schwarzwald Orgeln hergestellt, die bis heute immer noch einen sehr guten Ruf haben.

Andreas Ruth (1817-1888) lernte bei Ignaz Bruder, mit dessen Frau er auch verwandt war. Er liess sich 1841 in Waldkirch nieder wo er sich zunächst mit Spieluhren und Hackbrettern beschäftigte und später mit Walzenorgeln.

Sein Sohn Adolf (8145 – 1907) übernahm 1875 die Geschäftsführung. Adolf Ruth war nicht nur ein guter Techniker und geschickter Geschäftsmann, sondern auch musikalisch sehr gut veranlagt.

Unter seiner Leitung wurden grosse Walzerorgeln gebaut und die Firma geriet zur Blüte.

Die Herstellung von Notenorgeln fing um etwa 1900 an.

Adolf II (1887 – 1938) übernahm die Firma 1907 nach dem Tod seines Vaters. Vor allem musikalisch überstieg er seinem Vater. Durch Adolf II und Werkstattmeister Rudolf Weisser wurde vor allem das klassische Musikrepertoire derartig vergrößert wie es seinesgleichen in den damaligen deutschen Orgelbaufirmen nicht hatte, weder quantitativ, noch qualitativ.

Anfang der 30-er Jahre begann die allgemeine Flaute hauptsächlich durch den Einzug von Radio und Grammophon.

Nach dem Tod von Adolf II 1938 machte die Firma zu. Praktisch das ganze Inventar wurde von der Firma H. Voigt in Frankfurt a. M. – Hoechst übernommen. Letzte Firma existiert immer noch.

Orgeln der Firma Ruth wurden von der damaligen Kundschaft und den heutigen Orgelfreunden als den Rolls Royce der Kirmesorgeln.

Die Orgeln hatten einen guten Ruf als besonders solide gebaute Instrumente die geringer Wartung bedürfen, selten nachgestimmt zu werden brauchten und bei praktisch jeder Witterung spielfähig waren.

Überdies lieferte Ruth hervorragende Musikarrangemente , die bis heute immer noch als gute Wiedergabe der Musik aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts betrachtet werden können.

Wellershaus

Die Firma Gebrüder Wellershaus fand ihren Ursprung in Remscheid, wo Wilhelm Wellershaus (1764-1821) Uhren anfertigte. Im Jahre 1832 liess der Sohn Friedrich Wilhelm (1796-1856) sich im damals noch selbständigen Saarn an der Ruhr nieder wo Kirchenorgeln und Tischklaviere hergestellt wurden.

Der Enkel Julius Wellershaus (1828-1911) beschäftigte sich mit kleinen Stiftwalzenorgeln, sogenannten Leierkasten die von Wandermusikanten mit einem Riemen vor dem Bauch getragen wurden und beim Spielen einen Fuß als Stütze hatten.

Urenkel August (1861-1927) und Wilhelm (1867 – 1910) bildeten zusammen die Firma Gebrüder Wellershaus.

Schliesslich führten die Urgroßenkel August und Emil die Firma bis zu ihrem Tod Mitte der 60-er Jahre weiter unter demselben Namen.

Nach 1918 wurden bei Wellershaus neben Kirmesorgeln auch Klaviere und Grammophone hergestellt.

Wrede-Hannover

Fritz Wrede wurde am 7. Juli 1868 in Hannover-Kleefeld geboren. Er macht sich mit dem Orgelbau im Jahre 1880 bekannt bei seinem Onkel Georg Bayer, der Orgelmechaniker war. Fritz Wrede fing 1885 an selbständig tragbare Leierkasten herzustellen. Diese Orgeln hatten noch keine Pfeiffen, sondern Zungen, sogenannte Melotons. Im Jahr 1890 wurden die Walzenorgeln schon größer und mit Pfeiffen ausgestattet.

Nach 1900 als man in Deutschland nach dem französischen Vorbild damit anfing die Kartonnotensteuerung anzuwenden baute man auch Notenorgeln.

Die kleinsten Exemplare hatten 45 Tonstufen und die größten 80. Wrede – Orgeln wurden nach mehr als zehn Ländern ausgeführt und auch in Übersee.

Kriegsbedingt wurde das Orgelgewerbe eingestellt und nach dem Ersten Weltkrieg weitergeführt.

Die Inflation traf auch Fritz Wrede. Das Aufkommen von Radio und Grammophon wurde stark spürbar indem keine Neuaufträge für Orgeln mehr kamen. Die Arbeiten beschränkten sich auf Reparaturen.

Das Ende der Firma Fritz Wrede kam als am 28. März 1944 Fritz Wrede bei einem alliierten Luftangriff in seiner Werkstatt starb.